Der Skisprung-Weltcup kehrt zurück

Skisprung Damen Weltcup Oberhof
Gänsehautstimmung am Rande des Sommer-Grand-Prix: DSV-Teammanager Horst Hüttel verkündet die Rückkehr des Skisprung-Weltcups nach Oberhof. Foto: Christian Heilwagen

Die Freude war riesig, als Horst Hüttel die sprichwörtliche Katze aus dem Sack ließ. Nach dem erfolgreichen Auftakt der Sommer-Grand-Prix-Serie der Nordischen Kombination in Oberhof und Steinbach-Hallenberg, verkündete der DSV-Teammanager die Weltcup-Rückkehr in den Thüringer Wald. Am 12. und 13. März 2022 machen die weltbesten Skispringerinnen Halt auf der LOTTO Thüringen Schanzenanlage im Kanzlersgrund.

Oberhof – Thüringens Wintersport-Hochburg Oberhof darf sich im kommenden Winter auf drei Weltcup-Veranstaltungen freuen. Denn: Neben dem Biathlon- (06. – 09.01.2022) und dem Rennrodel-Weltcup (15. – 16.01.2022) kehrt mit den weltbesten Skispringerinnen Mitte März der Skisprung-Weltcup – nach 15 Jahren – zurück in den Oberhofer Kanzlersgrund. Für Horst Hüttel, Teammanager Skisprung und Nordische Kombination des Deutschen Skiverbandes, die verdiente Konsequenz der letztjährigen Bemühungen im Thüringer Wald.
 

Herr Hüttel, Oberhof kehrt zurück in den Weltcup-Kalender der Skispringer. Wie kam es dazu?

„Von der FIS haben wir den Termin 12./13. März zugeteilt bekommen. Es gab mehrere Orte zur Disposition. Ursprünglich ist auch immer ein Skisprung-Weltcup der Damen in Baden-Württemberg geplant. Für den kommenden Winter haben wir uns letztlich dafür entschieden, den Landesverband zu wechseln und nach Thüringen zu gehen. Sicherlich ist der Biathlon-Weltcup in Oberhof das Flaggschiff. Wir wollen allerdings auch den Nordischen Skisport wieder stärken und nachhaltig aufbauen. Der Damen-Weltcup kann hierbei ein erster großer Schritt sein.“


Kann Oberhof Ihrer Meinung nach in Zukunft wieder eine größere Rolle in den Ski-Nordisch-Disziplinen einnehmen?

„Oberhof ist einer der Standorte, an denen alle Nordischen Disziplinen angeboten werden können. Die Infrastruktur des Thüringer Wintersportzentrums ist einmalig und weltweit, abgesehen von Oslo, kein zweites Mal zu finden. Die Entwicklung liegt in den Händen des Thüringer Skiverbandes und der Vereine. Momentan stehen viele Signale auf Grün. Der DSV macht deutlich mehr Lehrgänge in Oberhof und wir erfahren eine tolle Unterstützung durch unseren neuen Bundesstützpunktleiter Heiko Krause und durch das Team des Thüringer Skiverbandes um Präsident Frank Eismann. Ende Oktober finden so zum Beispiel auch beide deutsche Meisterschaften, sowohl im Skisprung am 23. und 24. Oktober sowie in der Nordische Kombination am letzten Oktober-Wochenende statt. Das zeigt den gewachsenen Stellenwert des Stützpunktes.“


Mit dem Neubau der Jugendschanze HS70 am Wadeberg sowie der Normalschanze HS100 gab es in den letzten Jahren elementare Schritte und Entwicklungen, die der DSV sehr schätzt. Welche Synergien erhoffen Sie sich?

„Im Zuge der Großveranstaltungen sollen sich auch wieder verstärkt Kinder für den Skisprung und die Nordische Kombination begeistern. Unser Ziel ist es, dass hier wieder eine größere Dynamik entsteht. Es rücken bereits einige Talente nach, und wir haben hier Ronny Ackermann, Danny Queck, Marko Frank und noch weitere Trainer, die einen guten Job im Nachwuchs machen. Das Eine ergibt das Andere. Der Erfolg ist natürlich immer die Lokomotive, die vorne wegfährt, doch direkt dahinter müssen gezielte Maßnahmen für den Nachwuchs starten. Der Neubau der Jugendschanze war hier der mit Abstand wichtigste Schritt. Nachwuchswettkämpfe wie jetzt der Youth Cup, die man in Wettkämpfe der Elite integriert, bleiben den jungen Sportlerinnen und Sportlern lange in Erinnerung und motivieren ungemein.“


Wir bewegen uns noch immer in einer Zeit, die stark von einer Pandemie-Entwicklung geprägt ist. Beim Sommer Grand Prix musste man in puncto Bewerbung und Zuschauer noch auf Sparflamme fahren. Dennoch war und ist die Begeisterung am Streckenrand riesengroß. In Ihren Augen erwartbar?

„Der Sport lebt von Emotionen. Mit einer solchen Kulisse – wie jetzt hier in Steinbach-Hallenberg und Oberhof – haben wir allerdings nicht gerechnet. Das hat uns ehrlich gesagt überwältigt und zeigt, dass der nordische Skisport nach wie vor in der Bevölkerung verankert ist.“


Gab es ein bestimmtes Ereignis, das den DSV in seiner jetzigen Entscheidung bestärkt hat?

„Die Rückkehr des Sommer Grand Prix 2019 war definitiv der Türöffner. Zuvor war doch eine längere Phase ohne größere internationale Wettkämpfe im Bereich Skisprung / Nordische Kombination. Dass dies sozusagen „aus dem Stand heraus“ so perfekt gelungen ist, hat die FIS und den DSV gleichermaßen stark beeindruckt. Die gute Organisation sowie die Begeisterung vor Ort haben letztendlich den Stein wieder ins Rollen gebracht. Das war und ist natürlich auch ein Grund, warum auch das Präsidium des Deutschen Skiverbandes gesagt hat, Oberhof ist wieder gerüstet für internationale Top-Events im Bereich Skisprung und Nordische Kombination.“
 

Interview: Ronny Knoll