„Kleine“ Schanze, große Bedeutung

Tradition trifft Moderne: Der 2019 eingeweihten Jugendschanze HS70 am legendären Wadeberg kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Foto: Patrick Muschiol

Die 2019 eingeweihte Jugendschanze am Wadeberg gilt als wichtiges Bindeglied zwischen den Nachwuchsschanzen der Thüringer Wintersportvereine und dem Oberhofer Sportgymnasium. Perspektivisch soll durch die Trainings- und Schulungsmöglichkeiten auf der eleganten HS70 die erfolgreiche Thüringer Skisprung-Geschichte fortgeschrieben werden.

Oberhof (15.02.21) – Verglichen mit den Oberhofer Großsportstätten entlang der Tambacher Straße fristet die Jugendschanze am Wadeberg ein verhältnismäßig ruhiges Leben. Während sich die weltbesten Athletinnen und Athleten vorrangig in der LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig, der LOTTO Thüringen EISARENA oder im Oberhofer Kanzlersgrund messen, tausende Fans und Medienvertreter locken – geht es am nord-westlichen Ortsrand deutlich besonnener zu. Wer nun allerdings denkt, dass der „kleinen“ Schanze keine große Bedeutung zukommt, der täuscht. Und zwar gewaltig.

Als elementares Bindeglied zwischen den kleinen Schanzen in den Vereinen und dem Oberhofer Sportgymnasium ist die 2019 eröffnete Anlage (HS 70) nicht mehr aus dem Ortsbild der kleinen Stadt am Rennsteig wegzudenken. Im Gegenteil: Durch sie sollen perspektivisch wieder Thüringer Nachwuchs-Springer und Nordisch Kombinierte geformt und auf die Normal- und Großschanzen dieser Welt herangeführt werden.

Zurück zu alter Stärke

Dabei kann der Standort selbst auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, denn: Die allererste Schanze – die spätere Jugendschanze (K 66) – am Oberhofer Wadeberg wurde bereits 1908 errichtet und zählt zu den ältesten Anlagen deutschlandweit. Zwei Schülerschanzen (K48 und K34) am Gegenhang, eine Kinderschanze (K13) sowie die legendäre Thüringenschanze (K82), die bis 1945 den Namen "Hindenburgschanze" trug, folgten.

Aus Sicherheitsgründen wurden die legendären Holzschanzen am Wadeberg jedoch gänzlich zurückgebaut. Als letzte hölzerne Bastion verschwand die K66 im Frühjahr 2017. Ein herber Schlag für die Entwicklung am Thüringer Stützpunkt, mussten die Nachwuchskader fortan große Distanzen in Kauf nehmen, um auf die so dringend benötigten Sprünge zu kommen.

Mit der Eröffnung der neuen, eleganten Jugendschanze im Januar 2019 gehört ein Großteil dieser „Reisen“ der Vergangenheit an. Und so heißt es am Wadeberg fortan wieder fleißig „Flugmeilen“ sammeln, um dem Thüringer Skispringen baldmöglichst wieder Flügel zu verleihen.