Premiere: Alpin-Stars in der Skisport-HALLE

Wissbegierig: Die Alpin-Stars um Thomas Dressen lauschen in der LOTTO Thüringen Skisport-HALLE den Ausführungen von Ski-Langlauf- und Technik-Experte Axel Teichmann. Fotos: R. Knoll

Highspeed-Asse um Thomas Dressen, Josef Ferstl und Co. feilen auf ungewohntem Untersatz am perfekten Start.

Oberhof – Seit nunmehr zehn Jahren gilt die LOTTO Thüringen Skisport-HALLE als Trainings-Hotspot für die weltbesten Ski-Langläufer, Biathleten und Nordischen Kombinierern. Seit dieser Woche gesellt sich nun eine weitere Sportart hinzu, die – zugegeben – bislang keiner auf dem Zettel hatte: Ski Alpin. „Ich war schon recht überrascht, als die Anfrage kam, ob ich unsere Alpin-Herren in der Skihalle trainieren könnte“, gesteht Ausnahme-Langläufer Axel Teichmann, der sich als Athletik- und Technikcoach im Langlauf-Sektor sofort und akribisch der zunächst ungewöhnlich anmutenden Aufgabe annahm.

Sehr zur Freude von Herren-Bundestrainer Christian Schwaiger. „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, denn der alpine Weltcup ist mittlerweile so eng zusammengerückt, dass es sich einfach lohnt, für gewisse Prozesse neue Wege zu gehen. Vor allem im Startbereich sehen wir bei einigen Athleten noch Potential. Durch das technische Knowhow von Axel können wir positive Effekte aus dem Langlauf-Bereich in unsere Startphase übertragen“, sagt Schwaiger, der nicht zuletzt die sportlichen Voraussetzungen im Rennsteig-Städtchen lobt.

Bevor es für die Alpin-Stars um Thomas Dressen, Romed Baumann, Josef Ferstl und Co. jedoch auf die „schmalen Bretter“ geht, stehen am Mittwoch zunächst Alpin-Starts von einer Rampe, die das Team des Thüringer Wintersportzentrums in der Westschleife konstruierte, auf der dreitägigen Lehrgangs-Agenda. „Wir haben auf der dort gesetzten Messstrecke Startunterschiede von bis zu zehn Prozent festgestellt. Im alpinen Rennsport potenzieren sich solche Rückstände vor allem in flachen Passagen“, fasst Axel Teichmann die ersten Erkenntnisse zusammen.
 

Kraftpakete im Skating-Schritt


Welche technische Eleganz und Koordination der Ski-Langlauf einem Athleten abfordern kann, dürfen die Alpin-Cracks dann am Donnerstag-Morgen in Erfahrung bringen. „Beim Langlauf und Skating bekommt man ein völlig anderes Gefühl für Gleitphasen. Man merkt sofort, wann und wo man sich abrücken muss und dass die Kräfte mitunter ganz anders wirken“, sagt Thomas Dressen, der mit einem Gardemaß von 1,90 Metern und athletischen 100 Kilogramm nicht zwangsläufig die handelsüblichen Langläufer-Maße in sich vereint. „Ich bin begeistert von Axel. Er schafft es, wesentliche Dinge einfach und verständlich auf den Punkt zu bringen und reichert diese mit super Übungen an“, so der 26-jährige Dreßen – Sieger der legendären Hahnenkammabfahrt (Kitzbühel) des Jahres 2018 – weiter.

Ein Kompliment, das ein zweifacher Skilanglauf-Weltmeister samt so manch spannendem Resümee nur zurückgeben kann. „Es gibt interessante Übertragungseffekte. Eine Anpassung eins zu eins ist natürlich nicht möglich, aber einige biomechanische Grundsätze in puncto Stabilität sowie Belastung von Ski und Stöcken gibt es, an denen perspektivisch – auch im Nachwuchsbereich – durchaus gearbeitet werden kann. Zudem ist es einfach eine super Truppe, die mich vor allem auch durch ihre Professionalität überzeugt hat“, sagt Teichmann.

Während der DSV-Alpin-Tross bereits kurz Lehrgangs-Mitte ein positives Fazit ziehen kann und einen Ausbau der neugewonnen Kenntnisse anstrebt, muss sich die tschechische Biathlon-Nationalmannschaft – die parallel ihre Runden in der einzigen Langlauf- und Biathlon-Halle Mitteleuropas zog – erst noch etwas sammeln. Denn wann bitteschön kommen einem hier schon Alpin-Stars auf schmalen Brettern entgegen, geschweige denn auf Alpin-Skiern, mit Vollschutz und Rennmontur?