Wintersport dank Sonnenkraft

Auch dank umfangreicher Photovoltaik-Technik - wie hier auf den Dächern der LOTTO Thüringen Skisport-HALLE - wird Wintersport in Oberhof nachhaltig. Foto Ronny Knoll
Auch dank umfangreicher Photovoltaik-Technik - wie hier auf den Dächern der LOTTO Thüringen Skisport-HALLE - wird Wintersport in Oberhof nachhaltig. Foto Ronny Knoll

In Oberhof entsteht Schnee längst nicht mehr nur aus Kälte. Sonnenenergie, Wärmerückgewinnung, gespeichertes Niederschlagswasser und moderne Technik greifen ineinander. Moderne Photovoltaik-Technik, ein vernetztes Energiesystem und elektrische Loipenpräparierung zeigen, wie sich Wintersport und nachhaltiges Handeln verbinden lassen.

Oberhof – Draußen färbt der Herbst langsam die Wälder. In der Oberhofer Schneelagerhalle dagegen ist der Winter längst zurück. Seit Mitte September wird hier wieder Schnee produziert – zu einer Zeit, in der andernorts noch warme Tage den Alltag bestimmen.

Was energieintensiv klingt, ist Teil eines umfassenden Energie- und Schneekonzepts. Photovoltaik, Wärmerückgewinnung, gespeichertes Niederschlagswasser und ein sportstättenübergreifendes Kaltnetz wirken zusammen. Energie wird dort erzeugt, zurückgewonnen und genutzt, wo sie benötigt wird.

So entsteht ein Kreislauf, der sinnbildlich für die Entwicklung des Wintersportstandortes steht: Aus Sonne wird Strom, aus Strom wird Kälte und aus Kälte wird Schnee.

„Nachhaltigkeit sowie ein ressourcenschonendes Energie- und Schneemanagement sind für uns keine Einzelprojekte, sondern fester Bestandteil der täglichen Arbeit und unserer zukünftigen Entwicklung“, sagt Sylvia Böhm, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum. „Mit fast 2.700 Photovoltaik-Modulen, einem Kaltnetz zur Nutzung und Rückgewinnung von Wärme sowie einem sportstättenübergreifenden Energie- und Schneekonzept haben wir Strukturen geschaffen, die durch die räumliche Nähe unserer Sportstätten besondere Synergien ermöglichen.“

Wenn aus Kälte wieder Wärme wird

Ein zentraler Baustein der Energieversorgung ist das seit 2022 bestehende Kaltnetz zwischen Fallbachhang und Grenzadler. Wo Kälte für den Wintersport erzeugt wird – etwa in der LOTTO Thüringen Skisport-HALLE oder der EISARENA – entsteht gleichzeitig wertvolle Abwärme. Diese Energie wird heute gezielt zurückgewonnen und weitergenutzt. Über ein Niedertemperaturnetz und moderne Wärmepumpen versorgt sie übergreifend Gebäude mit Heizwärme und Warmwasser. So entsteht ein intelligenter Energiekreislauf, in dem Kälte und Wärme zusammengedacht und vorhandene Ressourcen effizient genutzt werden.

Ergänzt wird dieses Zusammenspiel durch modernste Photovoltaik-Technik. Besonders anschaulich zeigt sich diese an der Skisport-HALLE, der angrenzenden Schneelagerhalle und den umliegenden Depots. Der dort erzeugte Solarstrom fließt direkt in technische Prozesse wie Kälteerzeugung und Schneeproduktion.

Auch Niederschlagswasser ist Teil des Konzepts. Gespeichertes Wasser und vor Ort erzeugte Sonnenenergie schaffen wichtige Voraussetzungen für die Schneeproduktion und verlässliche Trainingsbedingungen – weitgehend unabhängig von den äußeren Witterungsverhältnissen.

Seit wenigen Wochen kommt in Oberhof zudem der allererste vollelektrische PistenBully 100 E zum Einsatz. Damit kann auch die Präparierung der Loipen elektrisch erfolgen.

So schließt sich der Kreis: Sonnenenergie wird auf den PV-Flächen der Sportstätten gewonnen und als Strom für technische Anlagen, die Schneeproduktion und die Präparierung der Loipen genutzt. Der Oberhofer Ansatz setzt deshalb nicht auf Einzelmaßnahmen, sondern auf das intelligente Zusammenspiel mehrerer Bausteine.

Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept

Doch Nachhaltigkeit endet nicht bei Energie und Technik. Auch der Schutz von Natur, Trinkwasser und Ressourcen ist elementarer Bestandteil der Weiterentwicklung des Sportstandorts. Gemeinsam mit ThüringenForst, den zuständigen Behörden und regionalen Partnern entstehen Renaturierungen, neue Biotope und Ausgleichsflächen – zum Erhalt und zur Entwicklung wertvoller Bergwiesen, Moore und Wälder.

Damit zeigt Oberhof, dass moderne Wintersportinfrastruktur und ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen keine Gegensätze sein müssen.

Mitten im Grünen Herzen Deutschlands entsteht so ein Wintersportstandort, an dem Tradition, Spitzensport und technische Innovation zusammenkommen – und bereits heute sichtbar wird, wie der Wintersport von morgen aussehen kann. (rk)